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Novenen-Gebet
Initiative "Neuer Anfang"
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https://www.die-tagespost.de/kirche/synodaler-weg/hanke-richtschnur-ist-botschaft-jesu-art-230735

 

https://www.die-tagespost.de/kirche/synodaler-weg/es-haette-nie-so-weit-kommen-duerfen-art-232046

 

https://www.die-tagespost.de/kirche/synodaler-weg/am-modernen-pranger-art-232084

 

https://neueranfang.online/eklat-beim-synodalen-weg-haltet-stand/

 

 

Mit diesen angegebenen Artikeln möchte ich einen Überblick geben über die aktuelle Entwicklungen. Es zeigt sich immer mehr, dass die Entwicklung des "Synodalen Weges" zu Recht umstritten ist. Der Hinweis sei wieder neu gegeben, dass es dieser Versammlung (die von einer Synode oder einem Partikularkonzil deutlich zu unterscheiden ist) in keiner Weise zukommt, die Gläubigen im Blick auf die Lehren des katholischen Glaubens oder der überlieferten Moral zu binden und Entscheidungen zu fällen, die rechtlich oder moralisch bindende Wirkungen entfalten würden.

 

Der Verweis auf das bloße "Autoritätsargument" ist - meiner Meinung nach - immer das schwächste Argument. Es mag - wie am Verlauf der letzten Synodenversammlung deutlich wurde -  Kritiker  der katholischen Lehre und Moral nicht zu überzeugen. Daher ist zu betonen, dass die Klarheit und Stärke der katholischen Lehre in der Wahrheit gründen und deshalb überzeugen können; die Wahrheit und die Schönheit unseres Glaubens sind anziehend und überzeugend - für jeden und jede, die nach dieser Wahrheit sucht und bereit ist, sie anzunehmen als Weg zum Glück und zum ewigen Heil. Man muss sich eben direkt damit auseinandersetzen. Ja, das kann auch Anstrengung bedeuten, zumal dann, wenn man nicht bereit ist, das eigene Leben einem besonderen Anspruch zu unterziehen. Ich möchte darauf hinweisen, dass es sehr wichtig ist, für die Synodalen zu beten um das Licht des Heiligen Geistes und die Erkenntnis der Wahrheit Christi. Jeder Christ muss darum ringen, sich darum bemühen; auch wenn dies Umkehr und Bekehrung erfordern sollte. Für niemand ist das leicht; jeder Gläubige muss in seinem Leben um die persönliche Form der Nachfolge auch immer ringen. Unser Glaube lehrt, dass die Nachfolge Christi auch Kreuzesnachfolge bedeutet, nicht nur immer Sonntags- oder Sommerspaziergang ist. Aber dieses Unterfangen lohnt, denn es macht den Menschen glücklich, frei und gesegnet - in Zeit und Ewigkeit.

 

Beten wir für die Bischöfe, die den Mut und die Klarheit zum Bekenntnis des Glaubens aufgebracht haben. Beten wir auch für die anderen Bischöfe, dass sie zu Mut und Klarheit zurückfinden, die nur in der Wahrheit Christi (die sie zu verteidigen bestellt sind) lebendig ist; nicht in falschen Kompromissen mit dem "Geist der Welt", die oft Grundsätzen folgt, die dem Evangelium widersprechen (nicht erst in unserer Zeit). Beten wir für unsere katholische Kirche in Deutschland, dass sie auch diesen Sturm übersteht und gestärkt aus ihm hervorgeht. Der liebe Gott kennt Mittel und Wege, die uns oft nicht offenkundig sind, aber dennoch siegreich; selbst dann, wenn alles zu scheitern droht. Vertrauen haben ist wichtig. Treue zum überlieferten Glauben und vor allem: Bereitschaft zu Frieden, Verständnis und Liebe, aber auch zu Wahrheit und Klarheit. Denn die Wahrheit gehört zur echten Liebe dazu. Kein Mensch hat die Wahrheit gepachtet; aber Christus ist Weg, Wahrheit und Leben in Person. Um ihn muss es gehen und um das, was er für seine Kirche will.

 

Und auch noch einmal deutlich: der "Synodale Weg" ist angetreten, die Verbrechen des Missbrauchs in kirchlichen Einrichtungen und Strukturen aufzuarbeiten, zu bekämpfen, Prävention zu leisten und dafür zu sorgen, dass die Opfer von Missbrauch eine Stimme bekommen. All dem sehe auch ich mich ohne Einschränkung verpflichtet. Kirche muss ein sicherer Ort sein für alle unsere Kinder und Jugendlichen. Aber es stellt sich schon die Frage, inwieweit Missbrauchsprävention und Opferschutz wirklich dadurch gelingen soll, indem die Verfassung der katholischen Kirche geändert würde. Erstens steht das nicht in in unserer Vollmacht (auch nicht der Päpste oder Konzilien), und zweitens ist der beste Schutz für Kinder und Jugendliche in der Kirche das Leben nach den moralischen Grundsätzen der Kirche: Liebe, Güte, Geduld, Demut, Reinheit, Keuschheit, Lauterkeit in Leben und Absicht - all das nennen wir Tugenden. Von diesen Tugenden ist in den verabschiedeten Dokumenten (jedenfalls bisher) nicht viel oder gar nichts zu lesen. Es braucht keine teuren Strukturen, um sich immer neu dem Anspruch Christi zu stellen. Das Evangelium hat schon alles in sich, was anzuwenden ist, um Kirche "heilsamer Ort" sein zu lassen. Das Problem ist offensichtlich nicht, dass "Kirche" Geld hat oder Geld verwendet (soviel Gutes geschieht dadurch, auch dass die Kirche in unserem Land Arbeitgeber sein kann); aber offensichtlich ist das Problem, dass "Kirche" ihr Geld auch (nicht nur) falsch verwendet; es für Dinge ausgibt, die kontraproduktiv sind für den Glauben und die Evangelisierung. Und dazu zähle ich jeden Cent, der für den "Synodalen Weg" ausgegeben wird, solange sich dieser nicht folgenden Anliegen verpflichtet: Neuer Evangelisierung unserer Gesellschaft, Motivation und Ausbildung von Christen, die den katholischen Glauben unverfälscht verkünden und leben wollen, Stärkung und Weckung neuer geistlicher Berufungen und authentischer kirchlicher Berufe, und endlich eine Verschlankung des "Apparats". Jemand sagte einmal: "Nur eine sterbende Kirche hängt an ihren  Apparaten." Jesus hat die Kirche gestiftet und ihr versichert, dass sie Bestand haben wird. Aber er hat nicht garantiert, dass die Verwaltungsstruktur der deutschen Kirche davon auch betroffen ist. "Entweltlichung" nannte es einst Benedikt XVI., Papst Franziskus spricht von einer "armen Kirche für die Armen".  Vielleicht ist der - für uns alle schmerzhafte - Prozess des Schrumpfens der Kirche die Antwort Gottes, seine Hilfe auf das hin, was wir wirklich brauchen? Vielleicht muss Kirche mit leichterem Gepäck unterwegs sein, um den Elan des Evangeliums neu zu entdecken? Ich gebe zu, dass auch ich darauf keine letztverbindliche Antwort habe. Auch ich bin ein suchender Mensch. Aber die Kirche gibt meinem Suchen und Streben als Getaufter und Geweihter Festigkeit, Orientierung und Richtschnur, gerade durch den überlieferten Glauben und die überlieferte Moral. Sie ist nicht spießig oder Ursache für Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt. Ursachen dafür ist die Sünde und die Liebe zur Sünde.  Sünde kann nicht plötzlich Tugend heißen und Tugend nicht Sünde sein. Das verbietet allein die Logik.

 

Ein Beispiel dafür, was passieren kann, wenn man mit Dingen des Glaubens nicht achtsam, sondern revolutionär, auch wenn es "von oben herab kommt" umgeht, ist für mich folgende Begebenheit: Als die Liturgiereform vor einigen Jahrzehnten die römische Liturgie erneuerte, war es fortan möglich, die Eucharistie an sog. Volksaltären zu zelebrieren; also die gemeinsame Gebetsrichtung von Priester und Gemeinde fakultativ zu halten. Das war keine Pflicht, wurde aber landauf landab als DIE wichtige Neuerung vermittelt. In der Breite wurde das damals den Menschen mit "das macht man jetzt so" oder "Der Papst will das jetzt so" einfach vorgesetzt, gefragt wurden sie nicht. Ich selbst habe solche Argumente gehört, obwohl ich doch erst Jahre nach den Reformen geboren wurde. Ebenso ging es Traditionen und Bräuchen, auch dem Empfang der Sakramente (Stichwort Sonntagspflicht oder regelmäßige Beichte): "Das muss man doch nicht mehr so eng sehen." "Die Bußandacht reicht doch auch. Ich hab doch niemand umgebracht, was soll man denn beichten." Usw. Eine schon verstorbene ältere Dame sagte einmal zu mir, warum sie nicht mehr zur Messe gehe, seit "alles Neu" (ihre Worte) war: "Weißt du, mein ganzes Leben habe ich so gebetet, es meinen Kindern gelehrt und aus dieser Messe gelebt. Ich weiß nichts von Theologie oder alle schlauen Professoren. Aber eins weiß ich: entweder haben die Priester uns früher verkohlt oder sie verkohlen uns heute."

 

Mir persönlich ist diese Aussage und dieses (Glaubens-)Schicksal besagter Dame eine Lehre: so darf es nicht mehr passieren. Der Glaube (und seine Formen) ist (sind) keine Verhandlungsmasse oder Ramschware. Er ist geheiligt durch Christi Blut und Leiden, durch die Liebe und Treue der Märtyrer, durch die Hingabe so vieler Menschen durch die Jahrhunderte, die den Glauben ernst genommen und gelebt haben. Und diesen Schatz tragen auch wir in "zerbrechlichen Gefäßen", um ein Wort des Paulus zu verwenden. Gerade weil das Gefäß meines Glaubens, die Gefäße der Kleinen, der einfachen Gläubigen, der Menschen an der Basis zerbrechlich sind, ist es meiner Meinung nach an der Zeit - nicht nur von der Gesamtheit unserer Bischöfe, sondern von allen Christinnen und Christen, die in der Kirche Verantwortung übernommen haben bzw. Verantwortung haben wollen - den Schutz und die Fürsorge dieser zerbrechlichen Gefäße einzufordern. Darauf herumgetrampelt hat man in den letzten Jahrzehnten genug.

 

Beten wir für unsere Kirche, mit- und füreinander. Und verurteilen wir nicht; klagen wir nicht einander an, so wie es auf der Synodalversammlung den Bischöfen erging, die von der Möglichkeit der Satzung und der Geschäftsordnung (die sich die Synodalversammlung selbst gegeben hatte) Gebrauch machten, mit "Nein" zu stimmen. Als es dann nicht "wie gewünscht" gelaufen war, sollte mit Druck und Emotionalisierung passend gemacht werden, was nicht passte. Wer die Beherrschung verliert und emotionalen Druck auf Andersdenkende aufbaut, kann sicher nicht für sich den Geist Christi beanspruchen. Daher muss sich jeder - egal auf welcher kirchenpolitischen Seite er sich verorten mag - um der Einheit willen am Riemen reißen, und sich den Maßstab Christi ans eigene Leben anlegen.

 

Pfarrer Michael Krüger